Monatsarchiv: August 2014

Tod


 

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Alfred Kubin im Laufe eines Lebens von schweren Depressionen getrübt, erstellte Kunstwerke direkt aus einem Alpträumen. Warum gibt es eine riesige Eule und warum ist es so erschreckend ? Quelle

„Ob dick oder dünn,
Ob arm oder reich —
Der Tod macht alle Menschen gleich.

Über den Tod :1: Warum schwarz nicht immer Schwarz ist

Udo Jürgens wurde achtzig Jahre alt, strotzte augenscheinlich bis zum letzten Tag vor Vitalität, stürzte sich mit Leidenschaft in seine Arbeit und sah aus wie einer, der die Frauen noch immer reihenweise in dunkle Gassen lockt. An einem sonnigen Nachmittag ging er spazieren, fiel einfach um und stand nie wieder auf. Ich hatte Schwierigkeiten an diesem Abend einzuschlafen. Einfach umgefallen. Ende. ‘So sollte es sein’, sagen viele, sage auch ich, und zwar laut, aber doch ereilt mich bei dem Gedanken ein sehr ungemütliches Gefühl, welches ich ansonsten sehr erfolgreich zu vermeiden weiß – Angst! Ich will im Verlaufe des Artikels versuchen die Quelle dieser Angst zu orten, live sozusagen, um dem zukünftigen Gedankenkreisen zumindest einen konkreten Ansprechpartner gegenüber-stellen zu können, anstatt wie bisher einfach nur sehr diffus den Tod zu fürchten. Im besten Fall findet sich der ein oder andere Leser zumindest in Teilen wieder und nimmt entweder etwas für sich mit oder fühlt sich angeregt weiterzuspinnen. Platz dafür bleibt bei einem lebensschluckenden Thema wie diesem wohl genug.

Ich bin wortwörtlich in einer gottlosen Umgebung groß geworden, was in diesem Zusammenhang nicht viel mehr bedeuten soll, als dass mir der feste Glaube an eine fortwährende Existenz nach dem Ableben nicht in die Wiege gelegt wurde. Und so erinnere ich mich bereits im Kindergartenalter an emotionaler Schnappatmung gelitten zu haben, wann immer ich mir vor dem Schlafen gehen versuchte vorzustellen, wie lange denn diese Unendlichkeit sein mag, die mich erwartet, sollte mich ein Bus überfahren, weil ich nicht nach rechts und links geschaut habe. Ich? Einfach weg! Für immer? ICH! Neeeein! Und was heißt ‘für immer’? Unendlich? Der Weltraum wird gern als Beispiel herangezogen, wenn man einem Kind versucht zu erklären, was Unendlichkeit bedeutet. So flog auch ich in Gedanken oft stundenlang durch den ewig schwarzen Himmel in der Hoffnung ein Ende zu finden. Ohne Erfolg. Ich flog bis mir schlecht wurde, tatsächlich kotzübel. Die Erfindung dieses Begriffs selbst – Unendlichkeit – ist für mich bis heute ein unverzeihlich masochistischer Akt der menschlichen Seelenverstümmelung. Ein erfundenes Etwas für das Nichts. Und selbst das ist zuviel. Ironie des Schicksals wohl, dass das einzige Tier auf diesem Planeten, welches sich sowohl seiner geistigen als auch körperlichen Begrenztheit bewusst ist, eine grenzenlose Welt versucht zu imaginieren. Als Kind habe ich mich tatsächlich häufig über dieses beängstigende Thema in den Schlaf geweint, bis mir der traditionelle menschliche Ausweg aus scheinbar unlösbaren und schmerzhaften Problematiken erstmals seine Pforten öffnete: Verdrängung. So vergingen ein paar Jahre, ohne das mich das Thema merklich beschäftigte. Mit elf oder zwölf dann sah ich den ersten von vielleicht fünf Filmen, die mein Leben nachhaltig geprägt und mein Denken verändert haben.
Es war „Die unendliche Geschichte“. Denn da war es wieder, das Nichts. Atréju fliegt auf seinem Drachen durch die sich auflösende Welt der menschlichen Phantasie und Träume. Die Macher des Films, auch Menschen, kamen naturgemäß nicht umhin, dem Unvorstellbaren ein Gesicht zu leihen – das dargestellte Nichts glich dem Weltraum, schwarz gefärbt, dunkel vertont und von einer Beschaffenheit, dass es den beiden verbliebenen Figuren das Sprechen, Atmen und Fliegen erlaubte. Ich sah den Film kürzlich mit einer Freundin, die kurz und knapp anmerkte, dass das Nichts für sie einfach eine graue Wand sei. Ich schmunzelte innerlich, da es ihre ganz typisch unorthodoxe Denkweise spiegelte, die ich wirklich lieben gelernt habe. Grau? Natürlich scheint die Verwendung der Farbe Schwarz in diesem Zusammenhang sinnvoll, da es doch genau diese ist, die wir ausmachen, wenn wir die Augen schließen und ‘nichts’ mehr sehen? Doch vielleicht ist schwarz auch nicht immer Schwarz. Wahrscheinlich existiert ein entscheidender Unterschied zwischen dem schwarz sehen und dem nichts mehr sehen. Wir sind nur nicht in der Lage ihn wahrzunehmen, weshalb wir diese Parallele ziehen und die Darstellung im Film aus genau diesem Grund nicht weiter hinterfragen.

Es ist natürlich unnütz (wenn auch erheiternd) diesem Gedanken nachzuhinken, doch kann ich mich nicht erinnern auch nur irgendeine Form, Farbe oder Emotion wahrgenommen zu haben, bevor ich etwas widerwillig aus dem Nichts in dieses Leben gehoben wurde. Und als einen solchen vorgeburtlichen Zustand stelle ich ihn mir nun eben vor, den Tod. Mir drängt sich also heute erneut die Frage auf, wovor ich mich fürchten sollte, obschon ich doch zichmillionen Jahre bis hin zu meiner Geburt wunderbar damit leben bzw. nicht leben konnte. Zudem glaube ich, dass wir diesem Zustand tagtäglich über mehrere Stunden sehr nah kommen und er alles andere als unangenehm ist. Oder ist es nicht der tiefe, traumlose Schlaf, der das gefühlte Nichtvorhandensein nachspielt? Und wenn ja, scheint es nicht merkwürdig, dass wir ihn so sehr genießen, uns sogar teilweise mit Schlaf belohnen, wenn uns etwas gelungen ist? Nun, die Tatsache, dass viele Menschen, die diese Vorstellung (in ähnlicher Weise zumindest) teilen müssen, sich einig sind, dass der plötzliche Tod erstrebenswert ist, lässt den Rückschluss zu, dass es weniger der Tod als das Sterben ist, was uns wach hält und Angst bereitet.

Wir lenken uns jeden Tag meisterhaft von der Gewissheit ab, dass wir dem Prozess bereits unterliegen, genaugenommen davon, dass wir beginnen zu sterben noch bevor wir die Augen für die Welt und das Leben überhaupt öffnen können. Erinnert werden immer nur dann, wenn entweder jemand in emotionaler Reichweite stirbt, der Arzt keine guten Nachrichten bringt oder wir auf Friedhöfen bzw. im Zuge historischer Studien verstärkt über Geburts- und Sterbejahre stolpern. Doch wo sitzt die Quelle, die dann zu brodeln beginnt?

Ist es die Angst etwas zu verpassen? Vielleicht die Sorge vergessen zu werden? Kontrollverlust? Das Warten? Und warum verändert sich unser Verhältnis zum Tod, wenn er näher rückt? Ist der Glaube ein erstrebenswerter Ausweg? Im zweiten und dritten Teil dieses besonderen Reiseberichts, werde ich diese Orte des Unmuts und der Hoffnung besuchen und schauen, ob es sich tatsächlich lohnt dort weiter zu verweilen. Folge, wer mag, das Ticket haben wir alle in der Tasche.

aber nun, weil’s so schön war: QUELLE

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St. Barbara. Die politische Heiligspechung familiefamilienrecht

°°Die Nachricht, dass Nationalratspräsidentin Barbara Prammer wenige Monate nach ihrem 60. Geburtstag einer schweren Krankheit erlegen ist erfüllt uns alle mit tiefster Trauer. Sie hat den Kampf gegen eine tückische Krankheit mit unglaublicher Tapferkeit und großem Lebenswillen geführt, aber dieser Kampf war nicht zu gewinnen.
°°Barbara Prammer war eine der großen Frauenpersönlichkeiten im öffentlichen Leben unseres Landes und auch über die Grenzen unseres Landes hinaus bekannt und geschätzt. Sie war eine engagierte und unbestrittene Präsidentin des österreichischen Nationalrats, eine führende Sozialdemokratin und eine absolut integre Politikerin, der ich mich auch persönlich sehr verbunden fühlte.
°°Ihr nachhaltiges Eintreten für Demokratie, Parlamentarismus und soziale Gerechtigkeit kam aus tiefster Überzeugung und stand mit ihrem persönlichen Lebensweg in engem Zusammenhang. Unser tief empfundenes Mitgefühl gehört den Angehörigen der Verstorbenen. Heinz Fischer

picasaweb/POLITIK SPÖ Prammer1v3 abtreibungslobbyistin-prammer-tot-kirchenvertreter-trauern-und-schweigen-zum-kindermord/

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