Der Untergang der «Dresden» in chilenischen Gewässern: Katz-und-Maus-Spiel im Pazifik

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Interview mit Melitha Maria Angélica Krause Schwartinsky: Erinnerungen an einen Obermatrosen der «Dresden»

Melitha Krause empfängt in ihrem Haus an der Costa Brava in Cóncon. Wir – Roberto Junge vom Deutschen Turn- und Sportverein und Julia Koppetsch, Museologin an der Deutschen Schule Valparaíso – erwarten mit Neugierde die Erinnerungen, an denen sie uns teilhaben lassen wird. Seit vielen Jahrzehnten schon ist Melitha auf der Suche nach den Spuren ihres Vaters. Max Otto Krause Busch war Obermatrose auf dem Kreuzer «Dresden» und Teil der internierten Mannschaft auf der Insel Quiriquina. 4065_p8-9_6

Melithas Vater stammte ursprünglich aus einem kleinen Ort namens Reppen, 20 Kilometer östlich von Frankfurt (Oder) im heutigen Polen gelegen. Seine Tochter erinnert sich vor allem an seine herzliche und liebevolle Art. Als sie zwölf Jahre alt war, ist Max Krause im Alter von 61 Jahren verstorben. Seitdem war ihre Mutter allein für die sieben Kinder verantwortlich. Immer hat sie ihren Kindern von ihrem verstorbenen Mann und seinem Schicksal auf der Insel Quiriquina erzählt. Melitha Krause: «Leider habe ich allzu oft nicht genau zugehört.»

Im jungen Alter von 21 Jahren schloss er sich als Obermatrose der Deutschen Marine an. Von Kiel aus war er an Bord gegangen und die «Dresden» nahm Kurs auf Mexiko. Die darauf folgenden Seeschlachten, an denen ihr Vater beteiligt war, sind in die Geschichtsbücher eingegangen.

Nach fast fünf langen Jahren auf Quiriquina kehrte ihr Vater wieder nach Reppen, um Bauwesen zu erlernen. Es zog ihn allerdings wieder zurück ans andere Ende der Welt. Dort hat er seine zweite Frau Melitha kennengelernt, die er in Santiago geheiratet hat. Sein Wissen als Konstrukteur hat er in vielen verschiedenen Orten Chiles anwenden können, zum Beispiel beim Regiment von Valdivia oder bei der Umgestaltung der Universidad Católica in Santiago.

Melitha ist auf einer ständigen Suche, immer angetrieben von der Sehnsucht, den Spuren ihres geliebten Vaters zu folgen. Ihre aufopferungsvolle Forschungsarbeit führte sie durch ganz Chile. Auch in Deutschland hat sie Museen und Archive besucht, zum Beispiel in Dresden und in Flensburg. Viele Nachfahren der Dresden-Mannschaft besuchten sie außerdem in Chile.

In ihrem Haus befinden sich wertvolle Dokumente, Fotos und auch einige Objekte in Verbindung mit der Geschichte der «Dresden». Mit ihrem Mann, ihren Kindern und Enkelkindern ist sie sogar auf die Robinson-Crusoe-Insel gereist. «Mein Herz hat sich fast überschlagen vor Aufregung, als ich die Wege ging, die mein Vater auch gegangen war, als er drei seiner Kameraden zum kleinen Inselfriedhof brachte.»

Sie hat all ihre Erlebnisse und gesammelten Dokumente zu einem umfangreichen Buch zusammengestellt, dass die Lebensgeschichte ihres Vaters Max aufzeigt. «Ich wünschte, mein Vater wäre in diesem Moment bei mir. Ich spüre ihn immer an meiner Seite und ich denke, wie wunderbar es wäre mit ihm über all die Sachen sprechen zu können, die er erlebt hat, aber diesmal mit der nötigen Aufmerksamkeit.»

Auf der vergangenen Jahreshauptversammlung des Deutsch Chilenischen Bundes war auch Melitha Krause ein geladener Gast auf dem Schulschiff «Esmeralda». Sie übergab bei dieser Gelegenheit ein wertvolles Geschenk an Bettina von Dessauer. Dabei handelte es sich um das von ihr zusammengestellte Buch über ihren Vaters.

Ihr innigster Wunsch für 2015 ist es, eine große Gedenkfeier zum 100. Jahrestag des Untergangs des «S.M.S. Dresden» gemeinsam mit deutsch-chilenischen Institutionen und der Stadtverwaltung des Inselarchipels Juan Fernández auf die Beine zu stellen. «Es ist unsere Pflicht, die Seeleute nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Deshalb soll zum März 2015 auch der kleine Friedhof an der Cumberlandbucht der Insel restauriert werden.»

Bei dem Tsunami vor knapp vier Jahren wurde neben den Häusern der Insel auch der Friedhof zerstört. Sie hat bereits einen Kostenvoranschlag für die Arbeits- und Materialkosten eingeholt und steht in Verbindung mit der örtlichen Stadtverwaltung. Jedoch hat sie immer noch keine Gewissheit, ob sie die nötigen Gelder zusammen bekommen kann und die Arbeiten vor Ort ohne Schwierigkeiten verlaufen werden. «Außerdem gibt es ein Orchester aus Dresden, Patenstadt der „S.M.S. Dresden“, das nichts lieber sähe, als die Möglichkeit nach Chile zu kommen, um ein Gedenkkonzert auf der Insel zu geben. Ich hoffe sehnlichst, dass die chilenische Armada diese Initiative unterstützen wird.»

 

Von Julia Koppetsch

Cóndor

Die «Dresden» wurde bei Blohm+Voss in Hamburg gebaut und lief am 5. Oktober 1907 vom Stapel. Der sogenannte Kleine Kreuzer verfügte über vier Propeller mit Turbinenantrieb und war das erste Schiff dieser Werft mit einer solchen Antriebslage. Das Pionier-Typschiff der «Dresden-Klasse» mit einer Länge von 118,3 Metern und einer Breite von 13,5 Metern, ausgerüstet mit Kanonen, Maschinengewehren und Torpedorohren, wurde in den Dienst der Kaiserlichen Marine gestellt.

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Im Ersten Weltkrieg kreuzte die «Dresden» im Südatlantik und versenkte dort britische Handelsschiffe.

Ursprünglichen Post anzeigen 462 weitere Wörter

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Ein Kommentar

November 18, 2016 · 7:35 pm

Eine Antwort zu “Der Untergang der «Dresden» in chilenischen Gewässern: Katz-und-Maus-Spiel im Pazifik

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