Knappenaufstand Hüttenberg

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Der Knappenaufstand in Hüttenberg

Vor 250 Jahren, im November 1759, kam es in Hüttenberg zu einem gewalttätigen Aufstand der Bergknappen. Die aufrührerischen Knappen wurden bestraft und großteils aus Hüttenberg abgeschoben.

Begonnen hatte der Konflikt bereits 1755 mit einem Streit nach einem Tabakschmuggel. Die Hüttenberger Knappen sahen es als „Gewohnheitsrecht“ an, Tabak von Schmugglern zu kaufen. Nachdem die Bergknappen vom „Tabakschwärzler“ Andreas Kreig eine große Menge Schmuggel-Tabak gekauft hatten, schritt die Behörde ein. Kreig wurde festgenommen. Die Bergleute beschuldigten einen ihrer Kumpels, Georg Grillitsch, den Tabakschmuggel verraten zu haben. Die Knappen hinderten Grillitsch an der Arbeit und vertrieben ihn; die Vermittlungen des Bergrichters blieben erfolglos. Der Fall wurde schließlich der „k. k. Repräsentation und Kammer“ in Klagenfurt vorgebracht, diese forderte die sofortige Wiedereinstellung des Vertriebenen, dessen Unschuld sich herausgestellt hatte. Die Knappen verhinderten dies, versammelten sich auf der Kreuztratte, ihrem traditionellen Versammlungsort in Knappenberg, und erklärten, von der Klagenfurter Kammer keine Befehle entgegenzunehmen, zuständig sei ihrer Ansicht nach vielmehr die Hofkammer in Graz. Seit der Verwaltungsreform war aber nicht mehr die Hofkammer für rechtliche Belange der Knappen zuständig, sondern die neue Kammer in Klagenfurt, die aber von den Knappen nicht anerkannt wurde. Einige Vertreter der Knappschaft reisten nach Graz, um gegen die neue Regelung zu protestieren und eine Lösung des Konflikts anzustreben.

Eskalation der Gewalt

Am 15. November 1759 eskalierte der jahrelang schwelende Konflikt. Als Soldaten im Lölling-Graben mehrere Knappen festnahmen und nach Klagenfurt brachten, rotteten sich viele Kumpels zusammen, um die Festgenommenen zu befreien, was aber misslang. Der Bergrichter wurde mit dem Umbringen bedroht. Daraufhin schickte die Regierung 100 Soldaten des k. k. Regiments Harrach von Klagenfurt nach Hüttenberg, kommandiert von Hauptmann Allmayer.
Die Knappen versammelten sich in der Sonngrube und schworen sich in einer Zeremonie auf ein gemeinsames Handeln ein: Zwei Knappen hielten die Hände zusammen und die übrigen Kumpel gingen darunter durch. Die Aufständischen begaben sich auf die Kreuztratte und beschlossen, solange an dieser Stelle zu bleiben, bis ihre Vertreter aus Graz zurückgekehrt waren.
Die Regierung schickte eine Kommission nach Hüttenberg, um zu verhandeln. Gleichzeitig umstellten Soldaten sowie verpflichtete Bürger aus Guttaring und Hüttenberg die Kreuztratte. Dann erfolgte der Angriff. Die Knappen wurden entwaffnet, verprügelt und nach Hüttenberg gebracht – insgesamt waren es über 200. Wehrtaugliche Aufständische wurden in Hüttenberg mit 8 bis 15 Stockstreichen bestraft; die anderen erhielten 20 bis 28 Stockstreiche. Danach wurden die Festgenommenen nach Klagenfurt gebracht.
Alle Knappen in Hüttenberg, Mosinz und Lölling, die keine Legitimation des Bergrichters vorweisen konnten, wurden festgenommen, nach Klagenfurt gebracht, wo sie das „Bergleder“ ablegen mussten. Das halbrund geschnittene Bergleder, auch „Arschleder“ genannt, wurde um die Hüften geschnallt und galt als Zeichen eines Knappen. Bei der Arbeit im Stollen saßen die Bergleute darauf. Mit dem Ablegen des Bergleders wurden ihm die Knappenrechte entzogen.
Insgesamt 245 Aufständische wurden mit Stockschlägen bestraft. Viele Knappen wurden aus Kärnten „abgeschafft“, also des Landes verwiesen. Ihnen wurde angedroht, dass sie vor das Kriminalgericht kämen, sollten sie nach Kärnten zurückkommen. Auf immer „vom Berg verwiesen“ wurden Ruepp Ebner, Paul Reindl und Valentin Hölzl; vier Jahre Bergverbot erhielt der Oberfähnrich Matthias Höritzer. Einige Knappen wurden zum Militärdienst eingezogen. Mit Geldstrafe von 100 Dukaten wurde bedroht, wer einen der „abgeschafften“ Bergleute einstellen sollte. Nach dem Urteil der k. k. Repräsentation und Kammer wurde die gesamte Knappschaft mit einer Geldstrafe bestraft.
Der Abgang der aufständischen Bergknappen hatte große Auswirkungen auf den Bergbau im Raum Hüttenberg. Die Bergrichter versuchten mit Prämien Ersatz zu bekommen. Im Lauf der Zeit wurden etwa 150 Knappen angeworben; diese hatten aber lange Zeit Probleme, in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Im ersten Jahr kam es zu vielen Schlägereien zwischen den alten und neuen Kumpels.
Im Jahr 1760 erfolgte eine teilweise Amnestie. Viele weitere bestrafte Knappen forderten immer wieder eine Wiederaufnahme des Verfahrens, sie wurden 1785 mit Strafe bedroht, sollten sie neuerlich Klage erheben.

Aufstände der Bergleute

Der Knappenaufstand von 1759 war nicht der einzige gewaltsame Protest der Hüttenberger Bergleute. Im 17. Jahrhundert kam es mehrmals zu Klagen der Knappen wegen gestiegener Lebenshaltungskosten und dem Mangel an Lebensmitteln – Vieh, Getreide und Schmalz wurden damals in großen Mengen nach Italien exportiert. 1612 richtete etwa Bergrichter Ullrich Engel eine Anzeige an den Vizedom, in der er berechtigte Beschwerden der Knappen anführte. Während des 30-jährigen Kriegs und der damit verbundenen Hungersnot plünderten Knappen aus dem Raum Hüttenberg mehrmals Bürgerhäuser in Treibach und Friesach. Die Obrigkeit bildete Kommissionen, die die Knappen ermahnten.
1678 kam es zu einer weiteren gewalttätigen Auseinandersetzung. Immer wieder gab es Streiks wegen Lohnforderungen und die Einhaltung alter Rechte sowie Schlägereien der Knappen untereinander – manchmal mit tödlichen Folgen.
Maria Theresia hatte bestimmte Rechte der Bergknappen bestätigt – darunter die Mautfreiheit für Lebensmittel, die sie auf dem Rücken mitführen konnten, bestimmte Steuerfreiheiten, das Weiderecht für Kleinvieh, der Bezug von Klaubholz und die Erlaubnis zu Festveranstaltungen wie den Hüttenberger „Reiftanz“.
Ende Mai 1712 legten etwa 300 Bergleute die Arbeit nieder und versammelten sich auf der Kreuztratte. Sie verlangten eine Erhöhung des Lohns und der Lebensmittelzubußen sowie die Absetzung des unbeliebten Bergrichters Franz Ferdinand Rauscher, der die Knappenkirchfahrten nach St. Leonhard und Maria Saal einstellte und die Wochenmärkte sperrte. Rauscher schlug auch einen Knappen nieder, der nicht schnell genug seinen Hut vor ihm abgenommen hatte. Der Knappe erlag den Verletzungen. Die Proteste hatten Erfolg: Bergrichter Rauscher wurde abgesetzt, das „Postgeld“ erhöht und es wurde ein Getreidezuschuss gewährt. Außerdem erhielten die Kumpels kostenlos Sprengpulver und Unschlitt geliefert. Die Knappen verzichteten dafür auf einige „Kündtage“, freie Tage, bei denen die Knappen bei Bauern in der Landwirtschaft arbeiteten und dafür hauptsächlich Holz und andere Naturalien erhielten.
1720 erhoben die Knappen neuerlich Forderungen – eine weitere Erhöhung des „Postgelds“ und die Wiedereinführung aufgehobener „Kündtage“. Der Protest führte diesmal bei der Behörde zu drastischen Maßnahmen: Nachdem die Knappen beim Berggericht nichts erreicht hatten, wandten sie sich an die Hofkammer in Graz. Dort wurden die Knappenvertreter eingekerkert und nach Verbüßung einer Freiheitsstrafe zu Zwangsarbeit herangezogen. Es wurde eine Verordnung erlassen; sie bestimmte für aufrührerische Knappen die „Abschaffung vom Berge auf ewige Zeiten“.

Werner Sabitzer

Quellen:
Münichsdorfer, Friedrich: Geschichte des Hüttenberger Erzberges. Nachdruck der Originalausgabe von 1870. Verlag des Naturwissenschaftlichen Vereins für Kärnten, Klagenfurt, 1989.
Wießner, Hermann: Geschichte des Kärntner Bergbaues. III. Teil. Kärntner Eisen. Archiv für Vaterländische Geschichte und Topographie, 41. und 42. Band. Verlag des Geschichtsvereines für Kärnten. Klagenfurt, 1953.

Januar 25, 2010 Posted by | Kärnten – Geschichte | , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Staatsarchiv

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Kunst

2 Antworten zu “Knappenaufstand Hüttenberg

  1. Pingback: EUPHORION A–Z | brunomayer40

  2. edwige

    Vielen Dank für diese interessante Geschichte!

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